Keine einheitliche Technik, zu wenig Standards, zu wenig Kontrolle - das sind die Hautprobleme. Zum Teil kommt eine fast schon exotische Technologie zum Einsatz. Am Donnerstag debattiert der Landtag über Änderungen, die neben kürzeren Hilfsfristen für Rettungswagen und Notarzt auch die Leitstellen betreffen.

In Baden-Württemberg arbeiten derzeit 34 Integrierten Leitstellen (ILS). Integriert bedeutet: Von hier aus schicken Disponenten nach einem Notruf Feuerwehr, Rettungsdienst oder beide in den Einsatz. Künftig soll das nicht mehr in 10 bis maximal 15, sondern maximal 12 Minuten passieren. Die Helfer rücken von den unterschiedlichen Standorten an Wachen in der Region aus. Eine der wichtigen Aufgaben dabei ist es, am Telefon herauszufinden, wie schwer der gemeldete Notfall ist und welche Hilfe die Betroffene benötigen. Neben Notfällen organisiert eine ILS auch geplante Krankentransporte.

Seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2016 verspricht Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) deutliche Verbesserung in der Notfallrettung. Doch einige Probleme bleiben bislang ungelöst. Das belegt eine Antwort auf eine Anfrage der Grünen an das Innenministerium. Andrea Schwarz, Grünen-Sprecherin für Bevölkerungsschutz, fasst das Ergebnis so zusammen: „Die Leitstellen in Baden-Württemberg sind völlig unterschiedlich aufgestellt: Nicht nur die Größe des Einzugsgebiets und die Anzahl der Einsätze sind sehr heterogen, sondern auch die Ausstattung und Arbeitsweisen.“ Das müsse sich ändern, „damit alle Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg eine gleichwertig gute und zuverlässige Versorgung erhalten“

Das DRK Baden-Württemberg begrüßt größere Leitstellen grundsätzlich. „Man muss die sinnvolle Balance zwischen zu klein und zu groß finden“, so ein Sprecher. Bislang will das neu Landesgesetz dazu allerdings keine Vorgaben machen. Man werden einheitliche Technik und Arbeitsweisen vorgeben, so ein Sprecher des Innenministeriums. Dadurch könnten Leitstellen sich untereinander aushelfen und besser zusammenarbeiten. Den Grünen geht das nicht weit genug. Die Abgeordnete Schwarz fordere: „Es sollte geprüft werden, die Gesamtzahl der Leitstellen im Land zu reduzieren. Fachpersonal, Einsatzkräfte, Fahrzeuge und Geräte könnten sich dadurch effektiver bündeln lassen.“

Dabei geht es zum einen um die Software, mit der die Leitstellen arbeiten. Dazu gab es bislang eine Vorgaben des Landes. Die Leitstellen nutzen sehr unterschiedliche Systeme. „Das erschwert Vertretungen in benachbarten Regionen erheblich“, erklärt der Disponent Bernd M.. Das gelte auch, wenn eine Leitstelle kurzfristig ausfällt - eigentlich sollen dann andere Leitstellen übernehmen und Mitarbeiter des nicht einsatzbereiten Standort von dort aus arbeiten. Wenn aber die Technik eine andere ist, wird das schwieriger. In Bayern dagegen gibt es in allen Leitstellen dieselbe Software. Zum anderen sind nicht alle Leitstellen an bundesweite Warnsystem wie Mowas angeschlossen, auch der Digitalfunk funktioniert in vier Leitstellen noch nicht. Hinzu kommt: Mit anderen Stellen wie Polizei, Deutscher Bahn oder Krisenstäben im Land wird laut Antwort aus dem Strobl Haus zum Teil auch noch per Telefax kommuniziert.

Die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz sind für den Betrieb der Leitstellen gemeinsam verantwortlich, die Verantwortung liegt beim Landratsamt. Die Grünen wünschen sich aber klarere Strukturen. Ihre Abgeordneten Schwarz fordert: „Neue Entwicklungen lassen sich schnell und effizient umsetzen, wenn es klare Führungsstrukturen gibt - zum Beispiel durch eine Landesbeamtin oder einen Landesbeamten an der Spitze einer jeden Leitstelle, die als Führungskraft für die Prozesse gesamtverantwortlich ist.“ Das DRK hält das nicht für nötig. Warum ein Beamter an der Spitze mehr Innovation fördere, sei nicht klar. Man sei selbst bestrebt, die neusten Technologien und Verfahren einzusetzen. Deswegen sei es grundsätzlich auch eine gute Idee, wie vom Land geplant, eine Experementierklausel einzuführen. Leitstellen können im Rahmen der Vorgaben bestimmte Abläufe oder Technologien ausprobieren.

Quelle: mehr unter https://www.schwaebische.de

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