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Stuttgart: Nach dem Willen des Landes sollen künftig alle Notrufe für Feuerwehr wie Rettungsdienst über die Nummer 112 eingehen. Einige DRK-Verbände halten dagegen eine eigene Telefonnummer für die medizinischen Notfälle für „absolut wichtig.”

Das Szenario ist nicht weit hergeholt: Stürme wie Lothar oder Kyrill deckten Dächer ab. Oder ein Hochwasser wie 2002 in Wannweil oder im Tübinger Stadtteil Pforndorf lässt viele Keller vollaufen. Betroffene wählen die 112, die Nummer der Feuerwehr. Mitunter vergingen Minuten, bis jeder Anrufer seinen Notfall schildern konnte. Laut einer Statistik aus Berlin hingen Bürger nach einem Unwetter im Juli 2007 bis zu 14,32 Minuten in der Warteschleife des Notrufs fest. Wegen Erderschütterungen in Saarlouis war Ende 2007 eine Notrufnummer wegen 650 Anrufern mehr als eine Stunde lang blockiert. „In solchen Fällen bleibt der medizinische Notruf auf der Strecke”, argumentiert Jörg Biermann, der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Karlsruhe. Der Akute Herzinfarkt könne zwischen den Anrufen wegen vollgelaufener Keller oder abgestürzter Dachziegel nicht „rausgefiltert” werden, und zwar ganz einfach deswegen, weil die Leitstelle an der Nummer nicht erkennen kann, ob medizinische oder technische Hilfe verlangt wird.

In Baden-Württemberg gibt es mit der auf Rettungswagen sichtbar 19222 eine Ausweichnummer, die direkt zum Rettungsdienst führt. Diese Nummer ist in die Kritik geraten. Vom Mobiltelefon aus funktioniert sie nur mit der jeweiligen Ortsvorwahl. Die wird gerade im Notfall oft vergessen. Zudem ist die 19222 vom Handy aus ohne SIM-Karte mit Guthaben nicht wählbar. Das Land schätzt die Nummer als Auslaufmodell ein. Die für das erste Halbjahr 2008 avisierte Telekommunikations-Notrufverordnung sieht „die 112 als europaeinheitliche Notrufnummer für alle Notrufanliegen der Bürger” vor, erklärt jetzt das Stuttgarter Innenministerium. Lediglich die Notrufnummer 110, die sich als so genannter Polizeinotruf etabliert habe, würde als zusätzliche nationale Notrufnummer beibehalten.

Der Karlsruher DRK-Kreisgeschäftsführer teilt die Kritik an der 19222. Er plädiert allerdings dafür, dass sie durch eine Nummer wie die 115 oder 118 ersetzt wird, damit medizinische Notfälle nicht in der Warteschleife hängen bleiben. „Viele andere europäische Länder haben eine kurze Nummer nur für den Rettungsdienst” sagt Biermann. Es steht mit seiner Forderung nicht allein. „Es ist absolut wichtig, eine eigene medizinische Notrufnummer zu haben,” betont die Tübinger Notärztin und stellvertretende DRK-Kreisvorsitzende Lisa Federle. Sie führt das Beispiel an, dass im Fall der 112 ein Anruf wegen der Katze auf dem Hausdach die gleiche Bedeutung bekomme wie der Schlaganfall eines Menschen. „Wenn die Leitstelle beim Aufblinken der Telefonnummer erkennen kann, ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt oder nicht, kann sie Prioritäten setzen.” Wobei Lisa Federle durchaus einräumt, dass es nicht einfach ist, sich mehrere Nummern zu merken, noch dazu wenn sie nicht kurz seien. Sie befürwortet wie Jörg Biermann eine neue, kurze Notrufnummer, die alte 19222 soll bis dahin ihre Gültigkeit behalten.

Biermann hat sich mit seinen Argumenten an Innenminister Heribert Rech(CDU) gewandt, wurde aber im Namen des Ministers bereits abschlägig beschieden. Die Einrichtung einer weiteren Notrufnummer sei „im Hinblick auf die Merkfähigkeit der Bevölkerung bundesweit abgelehnt” worden. Zudem habe sich in integrierten Leitstellen, wo Vertreter von Feuerwehr und Rettungsdiensten in einem Raum sitzen, die gemeinsam genutzte Notrufnummer 112 „bisher bestens bewährt.” Sein Argument des mangelhaften Erkennens von medizinischen Fällen sieht Biermann keineswegs entkräftet. Obwohl das Ministerium keine Initiative zur Schaffung einer rettungsdienstlichen Notrufnummer ergreifen will, möchte sich Jörg Biermann weiterhin genau dafür mit Vehemenz einsetzen.

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