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Ein besonders kleines Molekül lässt Krebstumoren schrumpfen. Es bewirkt, dass in den entarteten Zellen ein Selbstmordprogramm anspringt.

Es ist farblos, geruchlos, vergleichsweise unschädlich, preiswert, und es wirkt offenbar hervorragend gegen Krebs. Dichloressigsäure, kurz DCA, heißt der Wirkstoff, der das Tumorwachstum stoppt. Evangelos Michelakis von der University of Alberta beobachtete im Laborversuch, dass das Minimolekül die Rückbildung unterschiedlicher Tumoren von Lunge, Brust und Gehirn bewirkt.

DCA hat die Fähigkeit, blockierte Mitochondrien in Zellen zu reaktivieren. Mitochondrien sind winzige Kraftwerke im Inneren der Zellen. Seit Jahrzehnten setzen Mediziner den Wirkstoff ein, um Kinder mit einer angeborenen Mitochondrienstörung zu behandeln. Darüber hinaus kann man unter anderem Warzen mit dem Wirkstoff entfernen.

Schon in den 30er-Jahren stellten Forscher fest, dass die Mitochondrienfunktion von Krebszellen gestört ist. Da sie auch eine Schlüsselrolle in dem programmierten Zelltod (Apoptose) spielen, ist das für die Krebszellen von Vorteil: Sie können sich ungehindert vermehren, ohne dass sie irgendwann den Befehl zum zellulären Selbstmord erhalten.

Wiederbelebte Zellkraftwerke

Bislang glaubten die Forscher, dass die Mitochondrien durch den Krebs irreversibel geschädigt werden. Evangelos Michelakis und sein Team konnten das Gegenteil beweisen: Mit Hilfe von DCA gelang es den Forschern, die lahm gelegten Mitochondrien zu reaktivieren. Sobald ihre Funktion normalisiert war, verzögerte sich das Tumorwachstum erheblich. Anders als die meisten anderen Krebsmedikamente hat DCA keinerlei Auswirkungen auf gesundes Gewebe. Da DCA schon seit Jahrzehnten bei anderen Erkrankungen verordnet wird, weiß man, dass es gut verträglich ist. Einem baldigen Test an Krebspatienten steht daher nichts im Wege.

Ein weiterer Vorteil des Wirkstoffs: Weil alle Krebsarten den programmierten Zelltod durch lahm gelegte Mitochondrien umgehen, könnte DCA gegen ganz verschiedene Tumortypen wirken. Außerdem sind die DCA-Moleküle so winzig, dass der Körper sie problemlos aufnimmt und sie beispielsweise auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden, um Gehirntumoren zu bekämpfen. Und: Für DCA hält kein Pharmaunternehmen ein Patent, das macht es besonders preisgünstig.

Zu billig für die Forschung?

Die Kehrseite der Medaille ist, dass wenig Interesse daran besteht, teure klinische Tests zu finanzieren, wenn sich ein Medikament später nicht hochpreisig verkaufen lässt. Die Wissenschaftler hoffen nun auf Geldgeber, die die aufwändigen Versuchsreihen bezahlen.

Harald Schweim vom Lehrstuhl für Drug Regulatory Affairs an der Universität Bonn ist die Substanz gut bekannt. „Ein uraltes Molekül”, befindet der Experte für Arzneimittelzulassungen. Seine Wirkung auf sich teilende Zellen sei schon länger bekannt. Zwar gebe es in Deutschland ein Indikationspatentrecht, das bereits bekannten Substanzen mit neuen Wirkungsgebieten einen Patentschutz einräumt – unter anderem, um den Hersteller dafür zu entschädigen, dass er aufwendige klinische Studien bezahlen muss.

Keine Chance auf Patent

Doch über Dichloressigsäure sei dazu schon zu viel bekannt. So findet die Wissenschafts-Suchmaschine „Google Scholar” zu dem Begriff knapp 5000 Einträge. Ergänzt man die Suche um das englische Wort „cancer”, finden sich immerhin noch über 700 Literaturstellen. „Ich schätze die Chance für ein Indikationspatent daher auf weit unter 50 Prozent”, sagte er im Gespräch mit FOCUS Online.

In den USA gebe es allerdings die Möglichkeit, Studien zu solchen Substanzen mit Hilfe öffentlicher Gelder zu finanzieren, etwa über Fonds aus Steuergeldern, in die zudem ein Teil der Gewinne von Pharmaunternehmen fließe. „In Deutschland haben wir solche Fonds leider noch nicht, auch wenn wir das sehr begrüßen würden”, betonte Harald Schweim.
Quelle: focus.msn.de

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