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Nach einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts wurden in Deutschland im Jahr 2005 insgesamt 3.210 Erkrankungen an Syphilis gemeldet. Damit blieb die Fallzahl zwar auf dem Niveau des Vorjahres, jedoch deuten Auswertungen der Infektionsfälle auf eine zunehmende Bedeutung der Prostitutionsassoziierten heterosexuellen Übertragungen hin.

Besonders auffällig war eine Infektionshäufung im Großraum Aachen, die auf Kontakte mit weiblichen Prostituierten zurückgeführt werden konnte. Seit Beginn dieses Ausbruches, der bis heute andauert, wurden bereits ca. 90 Erkrankungen registriert. Bisherige Untersuchungen ergaben Prostitutionskontakte sowie Beschaffungsprostitution als Ursachen dieses Ausbruches.

Bundesweit betrug die Inzidenz der Syphilis 3,9 pro 100.000 Einwohner, wobei sich Berlin und Hamburg mit 16,5 bzw. 9,4 die höchsten Raten aufwiesen. Im Vergleich dazu betrug die Inzidenz in den USA im Jahr 2004 nur 2,7 pro 100.000, wobei hierbei insbesondere homosexuelle Männer betroffen waren.

Eine Zunahme der Inzidenzen zeigte sich entgegen der Erwartungen nicht in Ballungsräumen, sondern vielmehr außerhalb der Großstädte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen. Auch Analysen der Städte kommen zum Teil zu unterschiedlichen Inzidenzen. Während in Leipzig die Syphilis überwiegend bei Homosexuellen auftrat, waren in Aachen Heterosexuelle betroffen. In der Stadt Frankfurt mit seinem bekannten Rotlichtmilieu war die Zahl der Syphilis-Meldungen hingegen rückläufig.

Die Auswertung der Fallzahlen des Jahres 2005 lässt den Schluss zu, dass sich die Syphilis in der homosexuellen Population auf einem erhöhten endemischen Level stabilisiert hat. Dies wiederum bedeutet, dass diese Infektion bei homosexuellen Männern zunehmend in der Differenzialdiagnose berücksichtigt werden muss. Die Zunahme der Syphilis unter Heterosexuellen ist zunehmend auf Prostitutionskontakte zurückzuführen.

Zwar sieht das Infektionsschutzgesetz §19 die auch aufsuchende Beratung von für sexuell übertragbare Erkrankungen besonders gefährdeten Personen, wie zum Beispiel Prostituierte, vor, was jedoch in Folge des stattgehabten Personalabbaus im Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie der Finanzknappheit der Kommunen inzwischen vielerorts nicht mehr gewährleistet werden kann. Das heißt, dass in vielen Kommunen keine Kontrolle bzw. Eindämmung von Prostitutions-assoziierten, sexuell übertragbaren Infektionen möglich ist.

Neben der Ansteckung in Folge von Prostitutionskontakten in Deutschland sind wohl etwa 40% dieser Übertragungen im Ausland erworben worden. Insbesondere waren dabei Sexualkontakte in östlichen Nachbarländern Deutschlands die Infektionsquelle. Die antibiotische Therapie der Syphilis ist bislang weiterhin eher unproblematisch.

Allerdings bedarf es durch die zunehmende Inzidenz nicht nur bei Homosexuellen, sondern auch bei Heterosexuellen, die Erkrankung in der Differenzialdiagnose zu berücksichtigen. Der Umstand, dass der Risikofaktor "Prostitutions-assoziierte Übertragung" hierbei zunehmend von Bedeutung ist, ist für die Anamnese erschwerend, da die Auskünfte des Patienten hinsichtlich käuflicher sexueller Dienstleistungen dem Arzt meist nur wenig bereitwillig mitgeteilt werden.

Die Labordiagnostik der Syphilis wird daher wieder zunehmend von Bedeutung in der Differenzialdiagnose venerischer Infektionen wie auch bei der Abklärung unklarer febriler und exanthematischer Erkrankungen. Dass die Syphilis mit ihrer vielfältigen klinischen Ausprägung oftmals nur schwierig zu diagnostizieren ist, kommt erschwerend hinzu (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie; Redaktion medizin.de).
Quelle: medizin.de

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