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Diphtherie - ausgerottet oder neu erwacht?

Die Diphtherie ist in Deutschland selten geworden. Sie ist jedoch nicht, wie z.B. die Pocken, ausgerottet. In den letzten Jahren tritt sie wieder häufiger auf. Meist wird sie durch Reisen in osteuropäische Länder oder Dritte-Welt-Länder „eingeschleppt” .

Die Diphtherie ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit, die mit einer Entzündung der Atemwege beginnt. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt oder bleibt sie unbehandelt, kann sie tödlich enden. Sie wird durch das toxinbildende (giftstoffbildende) Corynebacterium diphtheriae per Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Husten, Niesen und Sprechen, sehr selten auch durch Schmierinfektion. Das Bakterium bewirkt eine lokale Gewebezerstörung und produziert ein auf das Herz- und Nervensystem wirkendes Gift (Toxin).

In Deutschland hat man von der Diphtherie lange nichts mehr gehört. Die letzte große Epidemie (Höhepunkt zwischen 1942-1945) klang bis in die 60er Jahre hinein aus. Während in den 50er Jahren noch 4.302 Menschen an der Diphtherie starben, waren es in den 60er Jahren nur noch 273 Menschen. Dank der hohen Impfraten im Kindesalter wurden seit 1984 nur noch Einzelfälle gemeldet.

Aufgrund von Impflücken tritt sie in den letzten Jahren aber wieder häufiger auf. Meist wird sie von Reisenden „mitgebracht”, die sich in osteuropäischen Ländern oder Dritte-Welt-Ländern aufgehalten haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer neuen Epidemie, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion, wo z.B. im Jahr 1994 noch rund 48.000 Fälle auftraten, von denen 1.700 Personen starben. Die WHO hat deshalb in diesen Ländern ein Impfprogramm gestartet.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis fünf Tage. Die Betroffenen sind ansteckend, solange man den Erreger in Sekreten und Wunden nachweisen kann. Bei Unbehandelten beträgt dieser Zeitraum zwei Wochen, wird die Erkrankung mit Antibiotika therapiert, nur zwei bis vier Tage.

Welche Symptome treten auf?

Nach einer Inkubationszeit von ein bis sechs Tagen beginnt die Erkrankung meist im Rachenbereich mit Hals- und Schluckschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Auf den Mandeln bilden sich die typischen weiß-gelblichen Beläge, die so genannten Pseudomembranen. Als charakteristisch gilt ein süßlicher Geruch, der bereits in einigem Abstand wahrgenommen werden kann.

Wird der Kehlkopf befallen, kommen bellender Husten, Heiserkeit und Stimmlosigkeit (sog. Echter Krupp) und zunehmende Atemnot durch Schleimhautschwellungen hinzu. Diese Schwellungen stellen die eigentliche Lebensbedrohung dar. Typisch für die Kehlkopfschwellung ist außerdem ein ziehendes Atemgeräusch (Stridor).

Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es häufig zum Befall der Nase (Nasendiphtherie) mit eitrig-blutigem Schnupfen.

Eine seltenere Diphtherieform ist die Haut-/Wunddiphtherie mit Hautgeschwüren und -verletzungen. Sie kommt vor allem in den Tropen vor, in westlichen Ländern insbesondere bei bestimmten Personengruppen, z.B. bei Obdachlosen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Mit dem Blut können die Giftstoffe auch zu Organen transportiert werden, die entfernt von der Entzündungsstelle liegen, wie Herz, Leber oder Niere. Dies kann zu den lebensgefährlichen Komplikationen führen. Die wichtigsten sind neben der Verengung der Atemwege, Entzündungen des Herzmuskels und des Nervensystems. Zu den selteneren Komplikationen gehören Nierenversagen, Gehirnentzündung, Hirninfarkt und Lungenembolie.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Da die Diphtherie eine sehr seltene Krankheit ist, haben viele Ärzte sie noch nie gesehen. Im Anfangsstadium kann sie leicht mit einer Mandelentzündung, einer bakteriellen Kehlkopfentzündung oder dem Pseudo-Krupp verwechselt werden. Hat eine Person mit Menschen Kontakt gehabt, die aus einer Diphtherie-Gegend kommen, oder ist sie selbst dort gewesen, muss der Arzt hierauf unbedingt hingewiesen werden.

Da eine erfolgreiche Therapie von einer schnellen Diagnose abhängt, muss sich der Arzt zunächst auf die sichtbaren Symptome verlassen. Um die Diagnose dann auch zu sichern, wird ein Rachenabstrich gemacht und im Labor bakteriologisch untersucht. Die Ergebnisse des Tests sind allerdings frühestens nach 12 Stunden zu erwarten.

Wie wird behandelt?

Die Behandlung wird bereits bei Verdacht eingeleitet. Um das Toxin zu neutralisieren, muss möglichst rasch ein Gegengift (Diphtherie-Antitoxin) gegeben werden. Außerdem wird für mindestens zehn Tage mit Antibiotika (Penicillin oder Erythromycin) behandelt. Der Patient muss in der Regel für fünf bis sechs Wochen strenge Bettruhe einhalten.

Wie kann man sich schützen?

Die beste Vorbeugung ist eine Impfung bereits im Säuglingsalter. Impfmodus: Ab Beginn des 3. Lebensmonats dreimal im Abstand von sechs bis acht Wochen (je nach Impfstoffkombination), dann erfolgt die vierte Impfung vom 12. bis 15. Lebensmonat. Die Auffrischimpfung findet ab dem 6. Lebensjahr und zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr statt. Aber auch im Erwachsenenalter kann jederzeit eine Grundimmunisierung (mit drei Impfungen) bzw. eine Auffrischimpfung durchgeführt werden.

Die Erkrankung bzw. die Impfung hinterlassen allerdings keine lebenslange Immunität. Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut sollte die Impfung bei fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung durchgeführt werden oder wenn die letzte Auffrischimpfung länger als 10 Jahre zurückliegt.

Impfschutz bei Reisen ins Ausland

Der Impfschutz bei den Klein- und Vorschulkindern ist in Deutschland mit über 95 % sehr gut. Allerdings werden die empfohlenen Auffrischimpfungen häufig nicht mehr durchgeführt. Und auch die Erwachsenen kümmern sich oft nicht mehr um ihre Auffrischung im 10-jährigen Abstand. Deshalb verfügt gegenwärtig nur etwa ein Drittel der Erwachsenen über sicher schützende Antikörper. Vor Reisen in eines der Endemiegebiete sollte deshalb der Impfschutz aktualisiert werden.

Wichtig:

Mit einer einmaligen Auffrischung ist - bei vorangegangener Grundimmunisierung - der vollständige Impfschutz wieder hergestellt. Ist keine Grundimmunisierung vorhanden, sollte eine Reise in ein Infektionsgebiet frühestens nach der 2. Impfung angetreten werden.
Quelle: www.gesundheit.de

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