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London (ddp). Ein spezieller Cocktail könnte in Zukunft feuchtfröhliche Abende an der Bar ohne negative Folgen ermöglichen. Das hofft ein britischer Wissenschaftler. Bei der von ihm entwickelten Mixtur handelt es sich allerdings nicht um ein alkoholisches Getränk, sondern um eine Kombination verschiedener pharmazeutischer Wirkstoffe. Die könnten nach Ansicht von David Nutt so gemischt werden, dass sie wie Alkohol entspannend wirken, ohne jedoch dessen lästige Nebenwirkungen wie Lallen, Torkeln oder den störenden Kater am nächsten Tag zu verursachen. Auch die langfristigen Folgen für die Gesundheit, die regelmäßiger Alkoholkonsum mit sich bringt, könnten so vermieden werden, glaubt der Forscher von der Universität in Bristol. Bislang existiert der Wirkstoff-Cocktail zwar nur auf dem Papier, einige potenzielle Inhaltsstoffe sind jedoch bereits auf dem Markt, berichtet das Wissenschaftsmagazin «New Scientist» (15. April 2006, S. 18). Alkohol wirkt, indem er an bestimmte Schlüsseleiweiße im Gehirn, die so genannten GABA-A-Rezeptoren, andockt. Diese Proteine sind jedoch nicht alle gleich, sondern existieren in dutzenden von Varianten. Einige von ihnen sind für die angenehm entspannende Wirkung des Alkohols zuständig, während andere die negativen Folgen wie Gedächtnisverlust, motorische Störungen, Aggressivität oder Übelkeit vermitteln. Gelänge es also, nur die Rezeptoren zu aktivieren, die die positiven Effekte verursachen, und die anderen in ihrem Ruhezustand zu lassen, könnte damit tatsächlich die wohlige Entspannung des Alkohols ohne seine Nebenwirkungen erreicht werden. Einige der dafür notwendigen Wirkstoffe seien bereits entwickelt und würden zum Teil schon eingesetzt, berichtet der «New Scientist». Als Vermittler der Entspannungsgefühle kämen dabei beispielsweise die eigentlich gegen Angststörungen entwickelten Substanzen Bretazenil und Pagoclone infrage, die sich allerdings noch in der Erprobungsphase befinden. Um den künstlichen Rausch zu beenden, könnte der Wirkstoff Flumazenil eingesetzt werden, der die Effekte vieler Beruhigungsmittel sofort aufhebt. Ergänzt werden könnte der Cocktail durch Substanzen, die ebenso wie Alkohol den so genannten NMDA-Rezeptor blockieren und damit ebenfalls zur entspannenden Wirkung beitragen. Natürlich seien eine ganze Reihe ethischer, moralischer und auch politischer Fragen zu klären, bevor solch ein Cocktail tatsächlich auf den Markt gebracht werden könnte, kommentiert Nutt seine Idee. Auch müsse geprüft werden, ob Pharmafirmen bereit seien, solche komplexen und aufwändigen Wirkstoffe für einen nicht medizinischen Zweck zu entwickeln und zu testen. In Anbetracht der vielen Gesundheitsprobleme wie Leberschäden und möglicherweise auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die als Folge von starkem Alkoholkonsum entstehen, könnte eine Alkoholalternative ohne solche Spätfolgen allerdings auch positiv bewertet werden, glaubt der Forscher.

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