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Berlin (ddp). In Deutschland stecken sich wieder mehr Menschen mit Aids an. Die Zahl der HIV-Infektionen sei im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2004 mit rund 13 Prozent deutlich gestiegen, wie das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag mitteilte. Zugleich benutzen sexuell aktive Menschen nach einer Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wieder mehr Kondome. Jedoch verzichteten immer noch 25 Prozent der unter 45-jährigen allein Lebenden auf diesen Schutz. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verwies darauf, dass Aids trotz guter Behandlungsmöglichkeiten nach wie vor eine unheilbare, tödliche Krankheit sei. Nur Aufklärung und Prävention könnten schützen. Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Elisabeth Pott, und RKI-Präsident Reinhard Kurth forderten „zielgruppengenaue Aufklärungskonzepte”. Das RKI hat nach eigenen Angaben bereits damit begonnen, „Änderungen im Risikoverhalten” genauer zu erfassen. Laut Statistik steckten sich 2005 insgesamt 2490 Menschen mit dem Virus an. 2004 waren es noch 2210 Neuinfektionen. Die Zahl der Ansteckungen unter homosexuell aktiven Männern stieg von 1078 auf 1237 Fälle am deutlichsten an. Bei der Gruppe der Personen mit einem heterosexuellen Übertragungsrisiko nahm die Zahl der Neudiagnosen von 276 in 2004 auf 344 im vergangenen Jahr sogar noch stärker zu. Im ersten Halbjahr 2005 war der Zuwachs der Neuinfektionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit insgesamt 20 Prozent noch drastischer ausgefallen. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen mit umgerechnet 3,02 pro 100 000 Einwohner liege jedoch weiterhin auf erhöhtem Niveau, warnte das RKI. 2001 waren 1,75 Neudiagnosen pro 100 000 Einwohner registriert worden. Trotz des Anstiegs der Neuansteckungen benutzen sexuell aktive Menschen offenbar wieder mehr Kondome. Eine aktuelle Untersuchung des BZgA zeige zudem, dass die Aids-Aufklärung nach wie vor den weit überwiegenden Teil der Bevölkerung erreiche. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte, das bessere Schutzverhalten sei neben der Präventionsarbeit auch auf die verstärkte Berichterstattung über das Thema HIV/Aids in den Medien zurückzuführen, nachdem im Frühjahr 2004 zum ersten Mal wieder ein Anstieg der Neuinfektionen verzeichnet worden sei. Der erhöhte Kondomabsatz stehe nicht im Widerspruch zu dem aktuell registrierten Anstieg der Ansteckungen. Grund dafür sei, dass in die aktuelle Statistik auch zahlreiche Infektionen eingingen, die bereits vor drei Jahren erfolgten. Ein erheblicher Anteil der Ansteckungen würde erst festgestellt, wenn Patienten mit ersten Beschwerden zum Arzt gingen, sagte Glasmacher. Zugleich sei das Schutzverhalten eine „sehr kurzfristige Entwicklung”.

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